CHARAKTER

Schaffhauser Lokalhelden

Lokalcharakter Portraitserie

Schaffhausen hat ihren Charakter geprägt.
Und sie sind Charaktere, die Schaffhausen prägen.

Charakter

Schaffhauser Persönlichketein

In unserer Bildserie «Lokalcharakter» portraitieren wir fünf Schaffhauser Persönlichkeiten.

Erwin Gloor,
Karola Lüthi,
Oliver Maurmann,
Lara Stoll und
Jonas Schelker:
ihr Charakter,
ihr Lokalbezug,
ihre Geschichte.

RHEINFALLMALER

Rheinfallmaler

Erwin Gloor

Feinfühliger Dauergast
am malerischen Wasserfall

Die Schaufensterserie 2018/2019 wird mit einem Portrait des Rheinfallmalers

Schon etwa zweitausend Mal hat er den Rheinfall skizziert. Da ist es nur logisch, wird Erwin Gloor auch ein Stück weit darüber definiert. «Das stört mich überhaupt nicht. Ich bin halt einfach der Rheinfallmaler», sagt der 77-jährige Stadtschaffhauser. Es gab Jahre, da war der Künstler jeden Morgen an seinem Lieblingsplatz, der sich unter dem Känzeli auf der Zürcher Seite des Rheinfalls befindet. Natürlich mit idealem Blick auf den Schaffhauser Teil des Wasserfalls. Jeden Tag erlebe er diesen Ort in einer anderen Stimmung, sinniert Erwin Gloor. Da gebe es so viele Einflüsse. Die Sonne, die Bäume, das Wasser, die Farben. Oder auch seine Laune. «Ich sehe meinen Bildern an, ob ich zu diesem Zeitpunkt wütend, traurig oder fröhlich war», erzählt Gloor. Letzterer Gemütszustand überwiegt bei seinen Besuchen am Rheinfall, die meist frühmorgens stattfinden, bevor es, wie er sagt, nach Bratwürsten zu duften beginne. «Der Rheinfall ist mein absoluter Lieblingsplatz, dort bin ich am glücklichsten», resümiert der berühmteste Maler ebendieses Ortes. 

«Früher war ich eine richtige Sportskanone »

Heimat ist, wo die Freunde sind 
Aber natürlich sei Schaffhausen viel mehr als nur der Rheinfall. «Ich hänge wie verrückt an dieser Stadt», sagt Gloor, der selbst ausser ein paar Monaten, in denen er berufsbedingt in Buchs weilte, Schaffhausen nie verlassen hat. Mittlerweile wohnt und arbeitet der Künstler in der Neustadt. «Für mich ist Heimat dort, wo meine Freunde sind. Und das ist Schaffhausen». 

Künstler und Ballkünstler 
Auf seiner Portraitaufnahme der Bildserie «Lokalcharakter » wirkt Erwin Gloor sehr nachdenklich, beinahe etwas bedrückt. Letzteres sei aber eigentlich gar nicht sein Naturell: «Ich bin ein fröhlicher, aber auch ein nachdenklicher Mensch und beschäftige mich mit der Frage nach dem Sinn des Lebens. Denn auch wenn ich furchtbar gern lebe, so geht dieses langsam seinem endlichen Teil entgegen», sinniert der Maler. Der Maler?  Erwin Gloor ist oder war nicht immer «nur» Maler. Ursprünglich hatte er eine Dekorateurlehre und ein Grafikvolontariat absolviert. «Und auch wenn man es wohl kaum für möglich hält, ich war einmal eine richtige Sportskanone», erzählt Gloor mit unüberhörbarem Stolz. Der Künstler war nämlich einst Ballkünstler – und zwar auf dem Tenniscourt. Gloor war nicht nur passionierter Spieler, sondern auch engagierter Trainer. Neben dem Sport spielen auch Musik und Literatur eine wichtige Rolle in seinem Leben. «Ich bin zwar Maler, aber die Malerei ist für mich nur das drittwichtigste Medium. An erster Stelle steht die Musik, an zweiter die Literatur. » Und das sei vor allem so, weil mit Ton und Wort viel mehr Emotionen transportiert werden könne, begründet Gloor und fragt mit einer Mischung aus ernsthafter Überzeugung und einer Prise Selbstironie: «Oder haben Sie schon mal geweint, als Sie ein Rheinfallbild betrachtet haben?»

MUNOTWÄCHTERIN

MUNOTWÄCHTERIN

Karola Lüthi

Perfektionistin mit
einmaligem Panorama

Vom Rheinfall auf den Munot: Der zweite Lokalcharakter ist Munotwächterin Karola Lüthi.
Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sie eine Bewerbung geschrieben. Mit 53 Jahren. Und daran führte auch kein Weg vorbei, denn diesen Job musste sie einfach haben. Munotwächterin. Das Dossier war weg, die Tränen da. Das ist rund zwei Jahre her. Nun blickt Karola Lüthi nachdenklich zum Fenster der Turmwohnung, dahinter das wohl einmaligste Panorama Schaffhausens: «Das war ein Job, der wie für mich geschaffen war. Aber plötzlich hatte sich der Kopf gegen den Bauch gewehrt.» Unterdessen war Lüthi, damals noch Leiterin der Gassenküche, in den Favoritenkreis der über 80 Bewerberinnen und Bewerber vorgestossen. «Ich hatte plötzlich Angst und war nahe dran, den Bettel hinzuschmeissen.» Aber so weit kam es nicht. Sie hat entschieden, um diesen Job, für den sie sich schon bei der letzten Ausschreibung vor 20 Jahren interessiert hatte, zu kämpfen. Gesagt, getan. Im Vorstellungsgespräch hat sie ihren letzten Kontrahenten souverän ausgestochen. Und im Mai 2017 trat sie dann das Engagement als Munotwächterin an. Als erste Frau. In über 700 Jahren.

««Der Munot ist ja kein Schlösschen, sondern eine Festung.» »

Tiere und Türen
Nun wohnt und arbeitet Karola Lüthi schon seit über einem Jahr auf dem Munot. Ganz einfach war der Einstieg nicht. Jeder Handgriff war neu, jede Tür ging anders auf als gedacht und führte in einen anderen Raum als angenommen. «Soll ich ehrlich sein? Ich habe es voll unterschätzt. Es ist sehr spannend, aber auch sehr anstrengend», sagt die 55-Jährige. Und dabei seien die unzähligen Treppenstufen noch das geringste Problem. «Die Umstellung war für den Kopf anstrengender als für die Beine», so Karola Lüthi. Die Aufgaben der Munotwächterin sind vielschichtig, das Profil nicht genau definiert. Touristenführungen, Tierpflege, Events. Und natürlich das Munotglöcklein läuten. Täglich. «Wenn wir abends unterwegs sind, diskutieren wir nicht, wer mit dem Auto heimfährt, sondern wer das Glöcklein läutet», schmunzelt die Munotwächterin. Und obwohl diese Aufgabe kaum Spontanität im Alltag erlaubt, ist sie ihre liebste. «Ich mache es megagern. Aber ich in immer noch in der Übungsphase und versuche rauszufinden, wie die Glocke am besten geläutet wird», erzählt Lüthi, selbstdiagnostizierte Perfektionistin. Neben den Routineaufgaben passiert aber auch immer wieder Unvorhergesehenes, oft Romantisches: So hat Karola Lüthi schon Kerzen für einen Heiratsantrag aufgestellt, ein anderes Mal hat sie gar eine Trauung durchgeführt. 

Krieg und Liebe
Romantisch hat sie sich auch das Leben auf dem Munot vorgestellt. Aber je mehr sie sich mit der Geschichte befasste und je länger sie dort oben war, umso mehr änderte sich diese märchenhafte Vorstellung. «Der Munot ist ja kein Schlösschen, sondern eine Kriegsfestung mit kalten Mauern», erzählt Lüthi. Aber ihr ist auch aufgefallen, dass der Munot für die Schaffhauser ein Ort mit einer ganz speziellen Ambiance und Bedeutung ist. Mehr als nur ein Wahrzeichen. Lüthi selbst ist übrigens keine Schaffhauserin. Zumindest nicht auf dem Papier. Aufgewachsen ist sie im thurgauischen Pfyn. Dann ist sie der ersten grossen Liebe wegen nach Schaffhausen gekommen. Und nun immer noch der Liebe wegen hier: der Liebe zum Ort und zu einem Menschen. Und die gilt nicht ihrer ersten Liebe, sondern ihrem jetzigen Ehemann. Ohne seine Unterstützung wäre es ihr nicht möglich, Munotwächterin zu sein, so Lüthi. Sie blickt wieder aus dem Fenster, runter in die Stadt. Ein Ausblick, an dem man sich wohl nie sattsehen kann. «Aber man muss auch aufpassen, dass man hier oben nicht abhebt», wendet Karola Lüthi ein. Ehrlich und direkt, wie sie ist. Deswegen tue es immer wieder gut, in die Stadt runterzugehen. Am liebsten ins Café Vordergasse, dort sei man nämlich in der Öffentlichkeit, aber doch auch für sich. Das ist ihr Lieblingsort in Schaffhausen, natürlich abgesehen vom Platz am Fenster in der Munotwohnung.

SCHAUSPIELER

MUSIKER UND
SCHAUSPIELER

Oliver Maurmann

Grübelnder Ironiker mit einer starken Stimme

Runter vom Munot und rauf auf die Bühne: Der dritte Lokalcharakter ist Musiker Oliver Maurmann.
Oliver Maurmann grübelt. Ziemlich oft. Oder fast pausenlos? Jedenfalls dauert es meist ein paar Augenblicke, bis man von ihm eine Antwort erhält. Dafür hat diese dann Gehalt, Tiefe und meist auch eine Prise Ironie. Humor ist ihm sehr wichtig. Am liebsten auf eine Art, die man nicht gleich erkennt. Mit einer souveränen Leichtigkeit etwas Ernsthaftes erzählen und zwischendurch eine passende Pointe einstreuen, das gefällt ihm. Und auch Schaffhausen gefällt ihm. Hier habe es Platz für spezielle Figuren, zu denen er wohl auch sich selber zählt. «Diese Leute gehen nicht in der Anonymität unter wie etwa in Zürich, sind aber auch nicht ausgestellt wie in einem Dorf», begründet Maurmann. Mehr als sein halbes Leben hat er hier verbracht − aber nicht jeder Akt seiner Lebensgeschichte hat hier gespielt.

«Bei der Musik kenne ich mich aus. Da weiss ich, wie es geht.»

Pöstler und Güseldetektiv
Begonnen hat diese vor 50 Jahren. Und zwar in Romanshorn. Aber schon ziemlich bald orientierte sich Maurmann Richtung Munotstadt, wegen der sympathischen Musikszene, wie er sagt. Ein paar Jahre vorher, als er zehn Jahre alt war, hat er sich noch gesagt: «Für Meitli oder Musik werde ich mich nie interessieren.» Zwei Jahre später hat sich das schlagartig geändert, er fand plötzlich die Beatles cool und interessierte sich für Punkrock. Er begann, wie ein Wahnsinniger Gitarre zu üben. Aber beruflich orientierte er sich anders: Erst machte er einen Vorkurs für die Kunstschule, dann begann er eine Lehre als Steinbildhauer. Und brach sie ab. «Mein Chef sagte: ‹Vergiss es, das wird nie was mit der Musik›», blickt Maurmann zurück. Dies motivierte ihn nur noch mehr. Und seine weiteren Jobs, etwa Pöstler, Ofenbauer oder Plättlileger, sah er nur als Zwischenstationen: «Ich musste rausfinden, wie ich von der Musik leben kann.» Mit 16 Jahren zog es Maurmann definitiv nach Schaffhausen. Maurmann? So kennt, oder zumindest nennt, ihn eigentlich niemand. Er sei halt einfach der Guz. Keine Abkürzung, keine Bedeutung. Einfach eine Lautmalerei, die 1985 bei der Kreation einer neuen Kassette entstanden sei. Und wer Maurmann nicht als Guz kennt, der kennt ihn als Oli. Der grummlige Typ aus der SRF-Onlineserie «Güsel − die Abfalldetektive », die der Schweiz 2015 einen humoristischen Blick auf Schaffhausen gewährte. Maurmann mag und macht Theater, aber sieht sich schon eher als Musiker: «Als Schauspieler kann ich eigentlich nur den Typen darstellen, der ich bin.» Das macht er auch in der Musik. Und dort scheint er derzeit mehr gefragt zu sein.

Aeronaut und Textliebhaber
1991 entstanden die Aeronauten, deren Gitarrist und Sänger Maurmann ist. Die Band ist erfolgreich. Und zwar nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Österreich und Deutschland. Dennoch spielt das Ensemble mit dem Verliererimage, den Durchbruch nie richtig geschafft zu haben. Aber immerhin, Maurmann hat die These seines ehemaligen Chefs widerlegt und kann von der Musik leben: «Ich bin nicht reich, aber es geht irgendwie.» Nicht zuletzt auch dank seinem Soloprojekt, das in den letzten Jahren aber etwas eingeschlafen sei. Wenn Guz über Musik spricht, dann ist Leidenschaft im Spiel. Musik sei für ihn Heimat: «Da kenne ich mich aus, da weiss ich, wie es geht. Musik ist eine Sprache, die ich gut verstehe und sprechen kann.» Dabei sei der Klang aber nur ein Teil der Musik. Der Text, der das Ganze komplettiere, sei noch viel wichtiger. Guz sagt auch: «Die Aeronauten zeichnen die Texte aus. Und dass wir lustige Typen sind.» Wenn er dann an die Zukunft denkt, kommt er wieder ins Grübeln. Schleunigst den Durchbruch mit der Band Naked in English Class, in der auch seine Freundin spielt, schaffen, nennt er ein Ziel. Oder das Soloprogramm vorantreiben. Oder einfach faul rumliegen. «Das würde eigentlich auf der Hand liegen. Mache ich aber nicht.» Ein hervorragendes Tool und ein Online-Eisprungprüfer , der Ihnen bei der Planung eines Babys in einem hilft leicht verständliche Oberfläche.

 

POETIN

SLAM-POETIN MUSIKERIN FILMEMACHERIN

Lara Stoll

Eine wahnsinnig
vielseitige Wortakrobatin

Den Adrenalinkick gesucht, die Bühne gefunden: Der vierte Lokalcharakter
ist Slam-Poetin Lara Stoll.

Zu klischeehaft. Zu kurz. Zu schwach. Lara Stoll geht von der Bühne des TapTab, hat soeben ihren ersten Auftritt als Slam-Poetin hinter sich gebracht. War zu wenig vorbereitet. War schlecht. Zumindest sieht das Lara Stoll, die nur wenige Jahre später in ebendieser Disziplin Europameisterin werden sollte, rückblickend so. «Der Schuss ging grandios nach hinten los», erinnert sich die heute 31-Jährige an ihre ersten öffentlichen Gehversuche als Wortakrobatin. Schuld daran war Gabriel Vetter. Also nicht an der Qualität des Auftritts, sondern dass es überhaupt dazu gekommen war. Stoll, im thurgauischen Rheinklingen aufgewachsen, kannte Vetter, in ähnlich ländlichen Dimensionen im schaffhauserischen Beggingen aufgewachsen, seit geraumer Zeit. «Ich habe gesehen, was Gabriel machte, und fand es interessant», erzählt Lara Stoll. Sie schrieb gerne und vermisste die Bühne, auf der sie schon als Elfjährige gestanden hatte. Übrigens auf jener des Schaffhauser Stadttheaters. «Der Adrenalinkick gefiel mir, nicht unbedingt das Scheinwerferlicht», verrät Lara Stoll. Diesen Kick suchte sie immer wieder. Hat weitergeschrieben. An ihren Texten gefeilt. War immer noch schlecht. Genügte ihren Ansprüchen nicht. Wurde frecher, verrückter, wahnsinniger. Und bog damit in die Erfolgsstrasse ein.

«Ich kann nicht zu oft auftreten, sonst drehe ich durch.»

Erst Praxis, dann Theorie
Fast wahnsinnig wurde sie auch bei ihrem zweijährigen Abstecher als Videojournalistin in Winterthur, allerdings im negativen Sinn. Also Kamera weg, Notitzblock her. Lara Stoll konzentrierte sich auf das, was sie mittlerweile nicht nur richtig gut, sondern schweiz- und europaweit am besten kann: Poetry-Slam. Sie war schräger, fantasievoller und bestimmter als die anderen. Beigebracht hatte sie sich das selber, ob Dramaturgie im Text oder Tonalität in der Stimme. 2010 wurde sie Schweizer-Meisterin, im selben Jahr holte sie den gleichen Titel an den Europameisterschaften. Am liebsten erzählt Lara Stoll ihrem Publikum Anekdoten aus dem Alltag. «Da gibt es so viele Bagatellen, die mich beschäftigen», verrät die 31-Jährige. Eine bestellte Pizza, die einfach nicht kommen will, oder eine Tischnachbarin, die einfach nicht zu nerven aufhören will, landen dann im Textrepertoire der Poetin. Wobei sie viel mehr ist als das. Auf Praxis folgte nämlich Theorie. Normalerweise macht man das ja eher andersrum, aber normal wäre bei Lara Stoll nicht wirklich logisch oder authentisch. Also studierte sie Film und veröffentlichte in diesem Jahr mit «Das Höllentor von Zürich», wo sie auch die Hauptrolle spielt, ihren ersten Kinofilm. Zu Film und Text gesellt sich aber auch Musik, 2015 gründete Lara Stoll nämlich die Punkband Pfffff, aktuell tritt sie mit Stefanie Stauffacher auf und macht elektonischen Pop.

Erst Schaffhausen, dann Zürich
Das alles macht sie mittlerweile vom Zürcher Kreis 4 aus. Geboren ist Lara Stoll 1987 in Schaffhausen, aufgewachsen in Rheinklingen. Gefühlt habe sie sich aber immer mehr als Schaffhauserin denn als Thurgauerin. Mit Schaffhausen verbindet sie nostalgische Erinnerungen. Wie etwa jene an den Abend im Stadttheater, als sie in der Pause zusammen mit ihrem Schauspielkollegen ins Spielcasino vis-à-vis hetzte, um die gesamte Abendgage beim Roulette auf eine Farbe zu setzen. Und zu gewinnen. Nicht auf die richtige Farbe, aber auf die richtige Karte hatte sie auch damals gesetzt, als sie sich nach der ernüchternden Poetry-Slam-Premiere im TabTap entschied, weiterzumachen. Dazumal reizte sie der Kick. Diesen braucht sie heute nicht mehr. Oder nicht mehr so oft: «Ich habe immer noch Lampenfieber. Mehr als zweimal pro Woche kann ich nicht auftreten, sonst drehe ich durch.» Kein Problem, denn daneben gibt es ja auch noch die Musik und den Film, sodass Lara Stoll, die schon als Kind immer nach Beschäftigung suchte und vielseitig interessiert war, ganz sicher nicht langweilig werden wird.

HANDBALLSPIELER

HANDBALLSPIELER

Jonas Schelker

Abergläubischer Realist mit feinem Händchen

Riesige Hände und ein feines Händchen: Eigentlich nur logisch, dass der Beringer Jonas Schelker Handballer geworden ist.

Dreimal auf Holz klopfen. Und wenn man kein Holz hat, nimmt man eben den Kopf. Das tut Jonas Schelker. Er sinniert über seine Zukunft. Die Gegenwart ist nahezu perfekt: Er konnte seine grösste Leidenschaft, den Handball, zu seinem Beruf machen. Er spielt in der höchsten Schweizer Liga. Beim renommiertesten Team des Landes. Er gilt als Riesentalent. Da macht es durchaus Sinn, mit einem dreifachen «Kopf-Klopf» dieses Glück zu bewahren. Oder mögliches Unglück abzuwenden. «Am meisten Angst habe ich vor einer schlimmen Verletzung», sagt der 20-jährige Schelker und legt seine rechte Hand wieder auf den Tisch. Die Hand ist riesig. Es wäre fast eine Verschwendung, wäre er nicht Handballer geworden. Die Hände seien weitergewachsen, der Rest leider nicht, lacht Schelker. Er ist 184 Zentimeter gross, was für einen Handballer eher klein ist. Aber wenn er grösser wäre, dann würde er wohl auch eine seiner grössten Stärken, die Schnelligkeit,

«Die Hände sind weiter gewachsen. Der Rest leider nicht.»

Schnuppern und hungern
Jonas Schelker hatte bis zum Ende der Primarschule mit Handball nichts am Hut. Heute ist es sein Beruf. Und dass es dazu gekommen ist, liegt an einem Schnuppertraining, zu dem ihn ein Klassenkamerad mitgenommen hat. Schelker gefiel es. Und er hat schnell gemerkt, dass er darin auch gar nicht mal so schlecht ist. Er hatte beim Schnuppern Blut geleckt und begann seine Handballkarriere beim den Pfadern Neuhausen. Und er war nicht nur nicht schlecht, sondern ausserordentlich gut. Das fiel auch dem regionalen und nationalen Branchenprimus, den Kadetten Schaffhausen, auf. 2014 wechselte er, und es folgten vier Jahre, in denen Jonas Schelker zur fixen Grösse im NLB-Team der Kadetten und der Nachwuchsteams der Nationalmannschaft heranwuchs. Parallel dazu absolvierte er eine KV-Lehre bei einer Bank. Er hetzte von zuhause an den Bankschalter, danach in die Halle, ab in die Schulbank, wieder in die Halle und dann nach Hause, um zu lernen. Zum Essen kam er kaum. Oder zumindest nicht so, wie es für seinen Körper optimal gewesen wäre. Aber nicht nur dieser bekam das zu spüren: «Ich reagiere leicht gereizt, wenn ich hungrig bin. Zumindest sagt das meine Freundin», schmunzelt Schelker. Zum Glück für Körper und Beziehung sind diese Zeiten nun vorbei. Denn Jonas Schelker hat im Sommer seinen ersten Profivertrag unterschrieben.

Lust und Last
Es sei schon brutal, was in den letzten Jahren alles passiert sei, blickt Schelker zurück. «Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen, als zweimal am Tag Handball spielen zu dürfen. Und dann erst noch in Schaffhausen », freut sich Schelker über sein Privileg, sein Hobby in seiner Stadt zu seinem Beruf gemacht zu haben. Jonas Schelker ist zufrieden, aber keineswegs abgehoben. Er wirkt bedacht, aufmerksam und clever. In etwa die Attribute, die ihn auch auf dem Feld auszeichnen. Wobei da noch schnell, kreativ und frech dazukommen. Und er hat eben nicht nur grosse Hände, sondern auch ein feines Händchen − sprich das Gespür für den idealen Pass. Schelker gilt auf seiner Position als Spielmacher − die Schlüsselposition des Handballspiels − als eines der grössten Schweizer Talente. Ex-Kadetten- Manager Gabor Vass sagte vor einiger Zeit sogar, dass Schelker das Potenzial habe, in die Fussstapfen von Andy Schmid zu treten. Schmid, Regisseur des deutschen Clubs Rhein-Neckar Löwen, ist derzeit der beste Spieler der weltweit stärksten Liga. Die Aussage Vass hat sich natürlich bis in die Kadetten-Garderobe rumgesprochen und für den einen oder anderen neckischen Seitenhieb gesorgt. «Die Mitspieler sprechen mich immer wieder mit Andy an», lacht Schelker. Dieser Vergleich sei eine riesige Ehre. «Aber ich möchte meinen eigenen Weg gehen und meine eigene Karriere machen», sagt der 20-Jährige, der eben auch Realist ist. Und grossen Respekt vor den grossen Vorschusslorbeeren hat. Was, wenn es in seiner Karriere nicht mehr vorwärtsgeht? Seine riesige Hand ballt sich nochmals zur Faust und wandert zum Kopf. Schnell dreimal klopfen!

Reviews

Der Künstler

Ilja Tschanen

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ROOST AUGENOPTIK AG

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